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"Omni in re, semper, et ubique tantum Deum video, ipsum Deum." MAM

Verehrung des Herzens Jesu im Leben von Mutter Alfons Maria

Heute ist Herz-Jesu-Freitag. Für Mutter Alfons Maria war das Herz Jesu in besonderer Weise Ausdruck der Liebe Jesu, der Liebe Gottes zu uns Menschen.
Die Herz-Jesu-Verehrung ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Viele fanden die Darstellungen des Herzens Jesu und die entsprechenden Gebete und Lieder als süßlich, kitschig, zu gefühlvoll (vielleicht gilt das für uns eher nüchterne Mitteleuropäer stärker als für andere Gegenden der Welt). Und auch der Sühnegedanke, der mit der Herz-Jesu-Verehrung verbunden ist, scheint vielen heute nicht so recht passen.
Herz: das hat eher mit Gefühl zu tun, als mit dem Verstand, und das Symbol des Herzens ist gerade deshalb auch anfällig für unechte Gefühle. Aber alle großen Worte, Herz, Liebe, auch “Gott" sind sehr anfällig dafür, dass sie verkleinert werden, dass sie missbraucht werden.

Das Herz ist wohl in allen Kulturen Ausdruck für das Innerste des Menschen. In vielen Redensarten wird das .Herz" Ausdruck für die Person des Menschen, für seine innerstes Empfinden, Fühlen, Denken, für sein Wesen. Und das .Herz" ist entscheidend wichtiger als der Verstand. Das kommt in unzähligen Redensarten zum Ausdruck. Wenn jemand etwa im Deutschen sagt .Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren", dann kann er es sicher nicht im Fundbüro wieder finden. Wenn jemandem .das Herz gebrochen ist", weil seine Liebste ihn im Stich gelassen hat, dann kann ihm kein Herzspezialist helfen. Und wenn jemand zu mir kommt, um „sein Herz auszuschütten", dann brauche ich nicht einen Eimer, um das aufzufangen, sondern „ein offenes Herz". Sie kennen sicher entsprechende Redensarten in Ihren Sprachen.
„Das Herz hat seine Gründe, von denen der Verstand nichts weiß".

In der Bibel ist das Herz der Sitz nicht nur der Gefühle, sondern auch des Verstandes, des Willens, der Entscheidungen. Das Herz ist das Innerste des Menschen, hier geschieht das Eigentliche. Oft ist in den Psalmen etwa die Rede vom Herzen: „Er sagt in seinem Herzen" (Ps 10,11). „Darum freut sich mein Herz" (Ps 16,9), „Prüfst du mein Herz" (Ps 17,3). „Mein Herz ist voll Freude über den Herrn" (1Sam 2,1).
Oder, wenn Samuel David zum König salbt „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz" (1Sam 16,7). Im Epheserbrief bittet der Verfasser, Gott „erleuchte die Augen eures Herzens..." (1,18) (ein Gedanke, den der Dichter Saint Exupery dann so formuliert „Man sieht nur mit dem Herzen gut“). Jesus ist „voll Trauer über ihr verstocktes Herz" (Mk 3,5). Und viele andere Stellen.
Auch von Gottes Herz spricht die Bibel. Und die schönste ist die im Propheten Hosea, im Kapitel 11. Dort lässt der Prophet Gott sprechen von seiner Liebe zu Israel, und vom verstockten Herzen des Volkes, davon, wie er, Gott, das Volk eigentlich vernichten müsste wegen seiner Untreue. Und dann: „Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf." (Hos 11,8) Das Herz Gottes ist stärker als seine Gerechtigkeit!

Gott hat ein Herz, ein Herz für uns Menschen. Und dieses Herz heißt Jesus. Sein Mitleid mit uns Menschen drängt Gott, uns nicht zu vernichten, uns nicht zugrunde zu richten, sondern uns zu retten. Selbst um den Preis seines eigenen Sohnes. Gott setzt in Jesus sich selbst ein, bis zum Tod. Im Tod Jesu kommt die Liebe Gottes zur Vollendung, diese Liebe, die sich hingibt bis zum Letzten. In seinem Sterben hat Jesus das ganze Leiden der Welt, die ganze Schuld, getragen, getragen mit der ganzen Liebesfähigkeit und Leidensfähigkeit seines Herzens. Der Tod Jesu ist der Höhepunkt (oder der Tiefpunkt, wie man es deuten will) der Liebe Gottes zu uns (Jesus steigt in die letzte Tiefe hinab). Und im Johannesevangelium wird uns berichtet, dass ein Soldat die Seite des toten Jesus öffnet (hier kommt das Wort „Herz" nicht vor, aber es ist das Herz gemeint). Und aus der geöffneten Seite Jesu, aus dem zu Tode verwundeten Herzen Jesu strömen Blut und Wasser: von hier aus kommt den Menschen alles Heil.

Mutter Alfons Maria hat immer wieder das Leiden Jesu betrachtet. Nicht, weil das Leiden etwas Gutes wäre, im Gegenteil. Sondern deswegen, weil sich darin die übergroße Liebe Gottes in Jesus gezeigt hat, diese Liebe, die alles Leid auf sich nimmt, dieses Herz, das alles Leiden trägt.
Mutter Alfons Maria hat das Herz Jesu, den Quell der Liebe, verehrt Aber das ist bezeichnend für sie: Es war keine selbstbezogene Verehrung, keine nur gefühlsmäßige, sondern eine sehr praktische. In der ersten Regel sagt sie: Die schönste Verehrung des Herzens Jesu und des Herzens Mariens ist die, seine Barmherzigkeit den Menschen spüren zu lassen. Die Verehrung des Herzens Jesu lässt sie gerade nicht bei sich selber stehen. Es genügt ihr nicht, dass sie selbst die Liebe Jesu erfahren darf: Sie will und muss diese Liebe weitergeben. Man kann sagen: eine „herzhafte", handfeste Verehrung. Und so sollen auch die Schwestern das Herz Jesu verehren.

Bernhard Weber, Spiritual

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